Carolin Matthie: Model, Studentin und selten unbewaffnet – Ein Interview

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Carolin Matthie (Foto: privat)

Der eine bewundert sie, die andere hasst sie. Die wenigsten lässt sie wirklich kalt. Contemplator sprach mit Carolin Matthie über Waffen, ihr Studium und Personen, die mit ihr nicht klarkommen.

Contemplator: Die Berliner Zeitung nennt dich eine Waffennärrin. Bist du eine?

Carolin Matthie: Sagen wir so, für mich ist eine Waffe ein ganz normales Werkzeug, ich kann damit Sport machen, ich kann damit auf die Jagd gehen und ich kann das als Abwehrmittel verwenden, wenn notwendig. Und der Begriff „Närrin“ hat für mich … Ich verstehe die Intention dahinter nicht so ganz. Das ist ein Sportgerät für mich. Ich hab keine Angst davor und es ist nichts Besonderes. Ich hab zu Hause Schlittschuhe, die sind auch so ein Sportgerät und diese verknüpfte Beziehung, die da immer unterstellt wird, dass man da irgend etwas ganz toll findet, das ist nicht unbedingt der Realität entsprechend. Klar, man hat nichts dagegen, aber man nutzt es dann, wenn man es braucht. Von daher würde ich selber das so nicht bezeichnen, aber ich kann durchaus nachvollziehen, dass das vielleicht auf einige Leute so wirkt.

Contemplator: Was, glaubst du, könnte die Motivation der Leute sein, die dich so nennen?

Carolin Matthie: Ich denke, das resultiert in erster Linie aus Unwissenheit. Die Leute haben dazu keinen Zugang. Sie können sich das nicht vorstellen und sie wissen ja auch gar nicht, was man damit eigentlich tut. Die meisten Leute kennen Waffen nur aus dem Fernsehen und da ist es entweder was Böses oder die Polizei verwendet das. Aber dass es dazwischen noch ganz andere Bereiche gibt, wie eben den Sport, der ist ja umfangreich, das wissen die meisten Leute ja nicht und das find ich sehr schade.

Contemplator: Du hast eine sogenannte Schreckschusspistole, eine Walter P99. Die ist recht klobig, fällt das nicht auf?

Carolin Matthie: Es kommt drauf an, wie man das Ganze trägt. Wenn man sich das Holster jetzt an die Seite hängen würde, natürlich. Wenn ich das aber hinten am Rücken habe und ’ne Jacke drüber trage oder ’nen Pullover umgebunden hab, dann nicht.

Contemplator: Bist du schon mal in die Situation gekommen, deine Waffe benutzen zu müssen?

Carolin Matthie: Benutzen zum Glück noch nicht, ich hatte zwei, drei Situationen, wo ich kurz davor war, es machen zu müssen. Das hat sich zum Glück dann anders gelöst.

Contemplator: Du gibst jungen Frauen Tipps zur Selbstverteidigung und schreibst auch zu dem Thema. In diesem Zusammenhang wurdest du von einer Abgeordneten der Linken angezeigt. Was war da los?

Carolin Matthie: Also, ich bin mir nicht mal sicher, ob das überhaupt stimmt. Das war eine ganz kuriose Geschichte. Ich habe mich natürlich mit der Polizei in Verbindung gesetzt und habe Anzeige wegen Verleumdung erstattet. Da habe ich natürlich nachgefragt, ob etwas vorliegt und die Polizei konnte mir zu dem Zeitpunkt gar nichts dazu mitteilen. Also, es könnte sein, dass die Dame eher versucht, Aktivität zu generieren, um ein bisschen auf der Welle mitzuschwimmen. Ich will ihr nichts unterstellen, aber das war so mein Eindruck.

Der Anlass war, dass ich einen Gastartikel geschrieben hab, der dann unter einem ganz anderen Titel als am Anfang erschienen ist. Das ist aber ganz normal. Ich hab meinen Arbeitstitel bekommen und die Hoheit über die Benennung der Artikel hat natürlich die Redaktion. Da konnte ich nichts dran ändern. Ich hätte das anders gemacht, ganz klar, aber an diesem Titel hat sich die Dame etwas gestört gefühlt und war dann der Meinung, irgendwie eine Hate-Attacke bei Facebook lostreten zu müssen. Hat auch gut funktioniert, sie hat auf den Beitrag ungefähr zweihundert Kommentare; die meisten anderen Beiträge von ihr haben nur ein bis zwei Kommentare. Also Aktivität hat’s ihr generiert.

Contemplator: Kam da in den sozialen Netzwerken etwas in deine Richtung zurück?

Carolin Matthie: Nein, nicht direkt, es wurde natürlich diskutiert, ich hab mehrfach auch Beiträge geschrieben und sie zu einer Stellungnahme aufgefordert, hab ihr auch angeboten, dass wir uns gern mal darüber austauschen können, über das, was sie da stört in meinem Artikel. Das muss sie mir dann benennen, denn mit haltlosen Unterstellungen kann ich nichts anfangen. Aber ich hab nie was von ihr gehört.

Contemplator: Du schießt auch in einem Schützenverein; was fasziniert dich daran?

Carolin Matthie: Mir macht der Sport einfach Spaß, gerade das dynamische Schießen. Man bewegt sich, man ist oft an der frischen Luft, man ist oft mit netten Leuten zusammen und man hat einfach gemeinsam Spaß und man kann sich direkt verbessern. Das heißt, wenn ich eine Disziplin geschossen hab, mein Ergebnis sehe, hab ich jemand, der mir sagen kann, was ich ändern muss, dann setze ich das um und es funktioniert besser. Und das ist im Schießsport, wie ich finde, einmalig. Ich kann sofort Dinge korrigieren und sehe das Ergebnis. Und das ist es, was mir daran Spaß macht; der Fortschritt, der beobachtet werden kann und den ich selber beeinflussen kann.

Contemplator: Was hat dich dazu veranlasst, Informatik zu studieren, das ist ja, jetzt bediene ich mal voll das Klischee, nicht gerade ein typisches Fach für Frauen.

Carolin Matthie: Interessiert hat’s mich schon relativ lang, ich hab damals auch im Abitur Informatik als Prüfungsfach gewählt, weil ich Mathe so ein bisschen ausklammern wollte. Das Schöne an Informatik ist, dass man Sachen lernt, Sachen umsetzen kann und dann auch ein praktisches Ergebnis sieht. Das heißt, ich kann ein Computerprogramm schreiben, das tut, was ich will. Mir gefällt auch, dass es in der Bewertung nicht so eine Grauzone gibt. Es gibt entweder richtig oder falsch und keine Interpretation dazwischen. Das heißt, es kommt nicht unbedingt auf den Dozenten an, der das am Ende dann beurteilt, sondern es kommt auf das Ergebnis an, das am Ende funktioniert oder nicht.

Contemplator: Das widerspricht möglicherweise ein bisschen der Entwicklung, die die Wissenschaft im Augenblick nimmt, vor allem in den Sozialwissenschaften. Wie bewertest du das?

Carolin Matthie: Es ist nicht mein Fachbereich, Mich interessiert das nicht unbedingt. Ich halte vieles für Humbug und ich halte vieles auch nicht unbedingt für wissenschaftlich, auf die Forschung bezogen. Da ist sehr viel Meinung drin, da ist viel Emotion drin und weniger faktenbasiertes Wissen. Für mich wäre das nichts, wenn es anderen Leuten Spaß macht, verstehe ich das natürlich, aber sie sollen das natürlich nicht so betreiben, dass sie dann anderen Leute irgendwelche Sachen aufzwingen, die nur aus ihrer Ideologie entsprungen sind. Das darf auch nicht gemacht werden.

Contemplator: Du schreibst auch Science-Fiction-Stories; das hängt vermutlich mit deinen naturwissenschaftlichen Interessen zusammen?

Carolin Matthie: Ein Stück weit mit Sicherheit, ganz klar; in meinen Geschichten sind aber mehr Fantasy und Science-Fiction gemischt; das heißt, ich nehme Elemente aus der klassischen Science-Fiction und kombiniere das ein bisschen mit Fantasy. Das ist einfach das, was mich privat interessiert, gerade Raumfahrt, andere Planeten, Weltraumforschung.

Contemplator: Die unvermeidliche Gewissensfrage: Star Treck oder Star Wars?

Carolin Matthie: Beides.

Contemplator: Echt jetzt? Mensch …

Carolin Matthie: (lacht) Ich weiß, das schließt sich für viele Leute aus, aber ich mag beides sehr gern. Einerseits Star Wars, weil es unterhaltsam gemacht ist, das ist teilweise sehr lustig, das macht einfach Spaß, es anzuschauen. Star Treck ist dagegen wissenschaftlicher.

Contemplator: Liebe Carolin, danke für das Gespräch.