Manifest des Kollektivs Ästhetik & Décadence

Das Ende der europäischen Kultur steht bevor. Im Lauf der Zeiten ist dies des Öfteren postuliert worden. Wie sich dann jedes Mal herausgestellt hatte, war die europäische Kultur doch noch nicht am Ende. Das hatte seine Ursache darin, dass all jene, denen jeweils unterstellt worden war, für das Ende der Kultur verantwortlich zu sein, dennoch von der europäischen Zivilisation geprägt waren.

Die aktuelle Situation ist anders. Durch die jahrzehntelange Tätigkeit ideologisch verseuchter Personenzusammenhänge – gemeinhin als „68er“ bekannt – beginnt die Lage Deutschlands und Europas desaströs zu werden. Besagte Elemente haben sich in der Durchführung ihrer selbst gewählten Aufgabe glänzend bewährt: Der Auflösung der europäischen und speziell der deutschen Kultur. Die Mittel dazu waren vielfältig: Vollständiges Zurückdrängen der Tradition. Inbesitznahme der Deutungshoheit im Bildungswesen, in der Politik, in den Medien und in der Kunst. Es existiert kein Bereich mehr, in dem diese Individuen keinen Einfluss hätten. Auch in den ehemals bürgerlichen Parteien geben sie nun den Ton an. Ihr „Marsch durch die Instanzen“ war von Erfolg gekrönt.

Der letzte Coup dieser Fanatiker beginnt nun eine Wirkung zu entfalten, die unser Land und unseren Kontinent endgültig zerstören wird: Die wissentlich und willentlich geförderte Einwanderung von Menschen, die ihre uns völlig fremde, intolerante Kultur mitbringen und nicht geneigt sind, diese abzulegen. Begründet wird das mit unserer Vergangenheit, sei es die europäische Kolonialgeschichte, seien es die verbrecherischen zwölf Jahre in Deutschland. Widerspruch wird als „rassistisch“ diskreditiert.

Jeder Widerstand gegen die Autolyse der europäischen Völker wird mit allen Mitteln bekämpft. Und diese Mittel sind vielfältig: Medien, etablierte Politiker und angebliche Künstler betreiben eine Propaganda, deren Perfidie an unselige Zeiten erinnert. Der Staat geht mit allen juristischen und verwaltungstechnischen Mitteln gegen eine kleine Opposition vor. Auch die „Zivilgesellschaft“ engagiert sich; mitunter äußerst gewalttätig.

Und die europäischen Völker? Ein kleiner Teil mag entschlossenen und zornigen Widerstand leisten, aber die Masse sieht stumpfsinnig zu. Sie ist unfähig, das Ausmaß der Bedrohung zu erkennen. Es droht nicht mehr nur die Auslöschung Einzelner oder bestimmter Gruppen, sondern das Ende der Völker Europas.

André Breton schrieb einmal: „Wir können ohne Übertreibung feststellen, dass die Zivilisation noch niemals so ernsthaft bedroht war, wie heute.“ Natürlich war der Kontext ein völlig anderer, doch nie zuvor hatten seine Worte eine solche Berechtigung wie in unserer Zeit. Wir sehen uns mit dem Ende unserer Lebensweise konfrontiert.

Es ist festzuhalten, dass die vorangegangenen Absätze nur die Situation in Europa beschreiben. Anderswo haben die Zivilisationen und Kulturen gute Chancen, zu überleben. Nun möge dem sein, wie ihm wolle; als Europäer haben wir naturgemäß eine eurozentristische Sichtweise.

Welches ist in diesen Zeiten nun aber die Stellung der Kunst?

Kunst und Künstler

Die Dadaisten haben es klar erkannt: „Die Kunst ist in ihrer Ausführung und Richtung von der Zeit abhängig, in der sie lebt, und die Künstler sind Kreaturen ihrer Epoche.“ Das gilt natürlich auch für alle anderen Menschen, doch haben Künstler mitunter den Anspruch – und oft auch die Überzeugung ­– etwas Höheres darzustellen. Wir bilden da keine Ausnahme.

Tatsächlich waren die Auffassungen der Künstler über die Kunst immer geteilt. Vom Schweben in elysischen Gefilden bis hin zur ungeschminkten Darstellung einer brutalen Realität existierte und existiert eine breite Palette.

Was müssen wir von der Kunst verlangen?

I.) Kunst muss aufklären, muss unbeeinflusst von Ideologie und überkommenden Weltbildern die Situation und die Probleme darstellen. Dazu müssen Kunst und Künstler (auch und in erster Linie: geistig) unabhängig sein; frei von (Selbst-) Zensur und staatlich wie gesellschaftlich verordneter Korrektheit.

II.) Kunst muss demaskieren: die schwarz-rot-grüne Verlogenheit, die unerträgliche Doppelmoral, die bereits angerichtete und die potenzielle Zerstörung.

III.) Die Kunst muss auch einen (ästhetischen) Gegenentwurf liefern.

Geschieht das? – Nein!

Die erdrückende Mehrheit der Künstler hat sich der herrschenden Ideologie ergeben. Vor allem in den darstellenden Künsten lassen die (man kann es nicht anders sagen) Beschäftigten eine Staatshörigkeit erkennen, die nichts weniger als bestürzend ist. So ist z. B. das Kabarett von einem Stachel im Fleisch der Bonzen zu deren Speichellecker degeneriert. Anstatt die Mächtigen bloßzustellen, stürzt man sich auf die einfachen Menschen, sobald diese eine abweichende Meinung äußern. Ähnliches spielt sich im Theater, in Film und Fernsehen ab. Und in der Oper: In Dresden soll im Jahr 2ß15 an der Fassade eines Opernhauses ein großer Monitor angebracht worden sein, zum Zweck der Verbreitung von Regierungspropaganda. Wohlgemerkt: nicht in Pjöngjang – in Dresden!

Erneut sehen wir uns genötigt, André Breton zu zitieren: „Das HitIerregime, das Deutschland von allen jenen Künstlern ‚gesäubert’ hat, deren Werke, wie oberflächlich auch immer, die geringsten Sympathien für die Freiheit zum Ausdruck brachten, hat diejenigen, die noch bereit sind, Feder oder Pinsel in die Hand zu nehmen, auf den Status von Hausdienern des Regimes erniedrigt, deren Aufgabe darin besteht, es auf Befehl zu verherrlichen und zwar gemäß den denkbar schlechtesten ästhetischen Standards. Wenn den Berichten Glauben geschenkt werden kann, ist es in der Sowjetunion ebenso […].“

Hausdiener des Regimes“ – besser könnten wir unsere kulturelle „Elite“ auch nicht beschreiben. Oskar Loerke prägte einst den Satz: „Was du verachtest, hüte dich zu hassen.“ Nein, wir hassen diese Lakaien nicht.

Zeitgemäße Darstellungsformen

Doch was sollen wir tun? Wie reagieren? Wie uns ausdrücken? Ein Blick in die Vergangenheit hilft vielleicht. Zeiten des Untergangs befördern Ästhetik und Dekadenz. Wem fiele da nicht das Fin de Siècle ein … Doch befinden wir uns nicht am Ende eines Jahrhunderts, sondern am Ende unserer in Jahrhunderten gewachsenen Lebensweise. Das geht erheblich tiefer.

Seit jeher war die übertreibende Imitation ein probates Mittel der Kunst, wenn es darum ging, Missstände aufzudecken. Doch das reicht nicht. Wir müssen der Entsittlichung, der Pervertierung und Dekultivierung unserer Zeit den Spiegel vorhalten, doch auf wahrhaft künstlerischem Niveau. Wir müssen uns vom „Mainstream“ dadurch unterscheiden, dass wir ihn zwar konsequent imitieren, uns aber in der Form über ihn erheben.

Zum anderen: Wenn wir schon untergehen sollen, genießen wir das auch. Doch nicht so, wie das für uns vorgesehen ist. Wir tappen nicht wie Schafe in den Untergang, durch die Medien verblödet und gläubig perversen Ideologen vertrauend, sondern sehenden Auges, voll kultiviertem Zynismus und stets auf die Schuldigen weisend. Wir wissen genau: Die Macht fürchtet den Geist. – Er kann sie entlarven.

Wir setzen wahrhafte Kunst gegen Ideologie. Wir setzen Ästhetik gegen den kulturlosen Funktionärsklüngel, nicht nur im „Kulturbetrieb“. Im Klartext: Wir setzen der Dekadenz der Kultur die Kultur der Dekadenz entgegen.

Wir beobachten.

Wir dokumentieren.

Wir verachten.

Wir überlassen uns dem Untergang mit mehr Stil als die „Elite“ jemals zu erfassen imstande sein wird.

Décadence oblige.

Das Manifest als pdf-Datei.